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Historische
Aspekte der Porzellanrestaurierung
Der Wunsch, beschädigte oder
zerstörte Stücke, gleich welcher Art, entweder
für den Wiedergebrauch oder als Kultobjekt zu reparieren, ist
so alt wie die Menschheit selbst.
Erste Reparaturversuche lassen sich an archäologischen Funden
keramischer Scherben dokumentieren, die mit Metallklammern
zusammengehalten und offensichtlich mit natürlichen Harzen
abgedichtet wurden.
In Asien wurden Porzellanscherben ebenfalls mit Naturharz, dem
sogenannten "Japanlack" URUSHI geklebt und die stark sichtbaren
Fügestellen mit Gold ausgelegt. Hier zeigt sich der
Übergang von "nur Reparatur" zur
künstlerisch-ästhetischen Restaurierung, die
allerdings nicht den Anspruch auf Originalität
erfüllen wollte und konnte. Diese etwa 6000 Jahre alte Technik
nennt sich "Kintsugi"
und wird von mir auf Wunsch für
Liebhaber asiatischer Keramiken und Porzellane auch angewendet.
Die Qualität einer Restaurierung ist neben dem Geschick des
Restaurators auch immer abhängig von den zur jeweiligen Zeit
zur Verfügung stehenden Werkstoffen. So verwendete der durch
die Lande ziehende Geschirrflicker im 19. Jahrhundert vorwiegend
Wasserglas und einen aus Wasserglas und Quarz hergestellten Zement, um
Scherben zusammenzufügen und zu ergänzen.
In Museen wurde auf Naturharze, wie z.B. Schellack
zurückgegriffen, der beschädigten
Ausstellungsstücken ausreichend Halt verlieh, jedoch durch
seine schwarzbraune Färbung sehr auffällig war.
Die rasante Entwicklung der Chemie und Technik im 20. Jahrhundert
eröffnete neue Möglichkeiten, wie z.B. das
Zusammenschmelzen von Bruchstücken mit einem
Glasfluß. Die Bruchstücke wurden dazu in der Regel
mit Spezialklammern aus Edelstahl oder mit Tonunterlagen
zusammengehalten bzw. abgestützt. Die Folge war, dass
die Scherben oft verrutschten und unkorrekt zusammenschmolzen. Ziel
dieser Methode war es, dem zerstörten Objekt die gleiche
Gebrauchsfähigkeit und Haltbarkeit wiederzugeben, die ein
unbeschädigter Porzellangegenstand besitzt. Der erstarrte
Glasfluß besitzt jedoch eine schlechte
Wärmeleitfähigkeit und andere
Ausdehnungseigenschaften als das Porzellan und verursachte somit starke
Spannungen, die bereits bei kleinstem Anstoß zur erneuten
Zerstörung des Gegenstandes führten. Neben dem
Nachteil, dass diese Art der Reparatur irreversibel
(unumkehrbar) ist, blieben die Fügestellen stark sichtbar, so
dass, um den ästhetischen Ansichten in Bezug auf eine
"Unsichtbarkeit" dieser Reparatur zu entsprechen, ein
großflächiges Überspritzen mit Lackfarbe
vorgenommen wurde. Um der Lackfarbe zu einer vermeintlichen besseren
Haftung auf der Glasur zu verhelfen, wurden große Bereiche
angeschliffen. Jede Lackfarbe hat bezüglich Temperaturwechsel
(warm / kalt) ebenfalls andere Eigenschaften als das Porzellan und wird
sich früher oder später von der
Glasuroberfläche lösen, gleich ob diese angeschliffen
ist oder nicht. Durch den Lackauftrag war ein Gebrauch des
Porzellangeschirrs ohnehin nicht mehr möglich.
Fehlende Teile an Figuren, wie z.B. Arme, Beine und Finger wurden
ebenfalls - zum Teil auch heute noch - in Porzellan nachgeformt,
gebrannt und mit Kunstharzklebern an das Original angesetzt, wobei die
Bruchstelle am Original oft verschliffen wurde. Diese Schleifarbeiten
sind äußerst verwerflich, da sie eine
vorsätzliche weitere irreversible Schädigung der
Originalsubstanz darstellen. Auch diese Verbindungsstellen wurden
vielfach großflächig mit einem Farbauftrag
kaschiert. In diesem Zusammenhang finden auch oft moderne
lichthärtende Dentalmassen zur Ergänzung an
Fügestellen Verwendung, die auf Grund ihres Weichmacheranteils
allerdings nicht farbbeständig und wegen ihrer
großen Härte nicht ohne weiteres reversibel sind.
Die Nachbildung von fehlenden Teilen aus Porzellan bietet keinesfalls
die Gewähr der Originalität - auch dann nicht, wenn
Originalformen zur Verfügung stehen. Die Porzellane
unterschiedlicher Hersteller weisen alle mehr oder weniger
große Farbabweichungen und Unterschiede in der Schwindung der
Massen auf. Grund hierfür sind sowohl Abweichungen in der
Zusammensetzung der verwendeten natürlichen Rohstoffe aus
verschiedenen Abbaugebieten, die bei der Versatzberechnung für
die Porzellanmassen Berücksichtigung finden müssen,
aber auch die daraus resultierende Führung des keramischen
Brandes. Der Aufwand zur Entwicklung einer Porzellanmasse, die
hinsichtlich Farbe und Schwindung dem Original entspricht, steht somit
in keinem vertretbaren Verhältnis.
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