Porzellanrestaurierung
Dipl.-Ing. (FH) Restaurator Stefan Drescher - Niederjahna bei Meißen
Ordentliches Mitglied im Verband der Restauratoren - VDR

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Technologie der Porzellanrestaurierung
- eine Übersicht -

Ausgangspunkt jeder Restaurierung ist in der Regel eine Objektzustandsanalyse, die die Grundlage zur Erarbeitung einer Restaurierungskonzeption bildet.
Bei den im folgenden beschriebenen Arbeiten bleiben Montagen und eventuell zu erhaltende ältere Restaurierungen unberücksichtigt, da diese Problematik wegen ihrer Besonderheit sehr stark objektabhängig und nicht ohne weiteres zu verallgemeinern ist.

Reinigung

Wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche, qualitativ hochwertige Restaurierung schadhafter Porzellanobjekte ist eine gründliche, schonende Reinigung.
Hierbei wird zwischen Trocken- und Nassreinigung unterschieden.
Die Trockenreinigung wird mit einem weichen Tuch, Pinseln oder auch dosierter Druckluft vorgenommen.
Die Nassreinigung erfolgt im Wasserbad unter Zusatz eines Spülmittels unter Zuhilfenahme von Borstenpinseln und unterschiedlichsten Bürsten. Oft werden auch spezielle Chemikalien oder Enzyme eingesetzt.

Kleben von Bruchstücken

Nach der Nassreinigung werden Bruchstücke in einer verdünnten Wasserstoffperoxidlösung gebleicht. Dabei werden eventuelle Reste organischer Verunreinigungen beseitigt. Anschließend erfolgt eine Neutralisierung in destilliertem Wasser.
Nach der Trocknung werden die zu klebenden Flächen mit Aceton entfettet.

Klebetechniken

Während in der Vergangenheit die sogenannte Stück-für-Stück-Klebung aufgrund der Eigenschaften der zur Verfügung stehenden Klebstoffe in der Porzellanrestaurierung üblich war, steht heute die moderne Infiltrationsklebung im Vordergrund der restauratorischen Verfahrenstechnik. Hierbei werden die Bruchstücke nacheinander zusammengesetzt und mit speziellen Klebestreifen fixiert. Für die Klebung wird ein Spezal-Epoxidharz eingesetzt und auf die Bruchstellen aufgetragen. Durch die Kapillarwirkung dringt dieses niederviskose Klebstoffsystem in die haarfeinen Fugen ein und härtet aus. Überschüssiger Epoxidharz wird in der Regel nach dem Aushärten mit einem Skalpell und einem Heissluftgebläse vorsichtig abgenommen. Auf diese Art und Weise lassen sich auch Sprünge kleben, ohne dass das gesprungene Stück, wie fälschlicherweise oft angenommen wird, gebrochen werden muß.

Ergänzung von Fehlstellen

Größere oder kompliziert gestaltete fehlende Teile werden durch Anfertigung eines Tonmodells originalgetreu nachgestaltet und mit einer speziellen Silikonmasse abgeformt. Ist ein fehlendes Teil mehrfach an dem Porzellanstück vorhanden, kann auf die aufwendige Anfertigung eines Tonmodells verzichtet und ein Abdruck genommen werden.
Für die Ergänzung stehen Massen in fünf verschiedenen Farbnuancierungen mit bis zu acht Abstufungen zur Verfügung. Die Auswahl erfolgt sowohl meßtechnisch als auch visuell. Dabei wird aus den fast vierzig verschiedenen Weissnuancierungen die am besten zum Porzellanstück passende Ergänzungsmasse ausgewählt. Die Ergänzungsmassen setzen sich aus einem Farbmittel, einem Stabilisator und einem synthetischen Silikat zusammen. Als Bindemittel dient der auch für Klebungen eingesetzte Epoxidharz EPO-TEK. Die einzelnen Komponenten müssen auf ein tausendstel Gramm genau dosiert und von Hand gemischt werden.

Die so hergestellte Ergänzungsmasse kann in die vorbereiteten Silikonformen eingearbeitet bzw. direkt an das Objekt anmodelliert werden. Nicht benötigte Masse kann für spätere Nacharbeiten einige Tage im Tiefkühlschrank aufbewahrt werden. Nach dem Aushärten werden die Formlinge aus der Silikonform entnommen, überarbeitet und an die Fehlstelle angepaßt, ohne dass dabei am Porzellan geschliffen wird. Das Anfügen erfolgt mit Epoxidharzkleber. Eventuelle Hohlräume zwischen angesetzter Ergänzung und Porzellan werden ebenfalls mit Ergänzungsmasse geschlossen. Auf diese Art und Weise lassen sich z.B. fehlende Arme, Beine, Finger, Blüten und Blätter usw. originalgetreu ergänzen.
Abschließend wird bei dekoriertem Porzellan in der Regel noch eine Dekorretusche vorgenommen um fehlende Dekoration auf der Ergänzung zu vervollständigen. Hierzu werden Künstleracrylfarben bzw. Aquarellfarben mit höchster Lichtechtheit eingesetzt. Dekorierte und weiße Flächen der Ergänzung erhalten einen Kunstharzglasurüberzug, durch den die optischen Eigenschaften des Porzellans imitiert werden. Grundsätzlich ist es danach möglich, das restaurierte Stück in spülmittelhaltigem Wasser zu reinigen.

Anfertigung eines Tonmodells nach einer Katalogvorlage zur Ergänzung von Fehlstellen

Herstellung eines zweiteiligen Silikonabdruckes, der als Form dient.

Ausgehärteter Formling aus Ergänzungsmasse

Die Pfote wurde, ebenso wie der Schwanz, nachgefertigt.



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